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Andreas
Mein Arbeitskollege Peter hatte mich überredet. Er wollte seinen Kindheitstraum verwirklichen, und einmal, wie er als Kind öfters bestaunt hatte, mit einem Gasballon völlig geräuschlos über die Lande "fahren". Nach kurzer Überlegung war ich dann auch dabei. Und so fuhren wir am 11.03.07, nach langer Terminsuche, zum Startplatz in Gersthofen. Als wir an der Via Claudia ankamen war es morgens 7 Uhr und es standen dort bereits zwei Ballone fertig aufgerüstet. Unser Pilot Alex hatte, nach eigener Aussage, die ganze Nacht gearbeitet um die beiden Ballone mit dem benötigten Wasserstoff zu füllen. In unserem Fall, dem Ballon D-QUEE, waren dies immerhin 1000 Kubikmeter des explosiven Gases.
Nach kurzen Vorbereitungsmaßnahmen stiegen wir umständlich in den Ballonkorb, mann ist ja nicht mehr der Jüngste, und suchten uns einen guten Platz im doch sehr engen Korb. Wir waren immerhin 5 Mann. Genauer gesagt 3 Mann, 1 Pilot und eine Dame. Die Balastsäcke, die den Korb am Boden gehalten hatten, wurden vom zurückbleibenden Personal entfernt und wir hoben ab. Unglaublich wie herrlich ruhig und ohne Hektik unser Gefährt an Höhe gewann. Hatte man sich beim Start noch ziemlich heftig an den Seilen festgehalten wich diese Verkrampfung bald einer totalen Faszination. Ohne Zutun des Piloten stieg der Ballon auf ca. 800 Meter Höhe, pendelte sich dort ein und trieb zunächst mit dem sanften Wind Richtung Norden um dann, nach kurzer Zeit, nach Nordwesten abzudrehen. Über Wäldern konnte man die Gespräche der frühen Spaziergänger hören, die Geräusche flüchtender Rehe, und als einzig störendes Geräusch konnte man das Brummen von Automotoren nennen, welche in weiter Entfernung dem Asphaltband folgten.
Über Dörfern vernahm man das immerwährende Gackern der Hofhühner und die Glocken der Dorfkirchen die zum sonntäglichen Gottesdienst riefen. Vereinzelt krächzte eine Stimme auf der Ballonfahrerfrequenz des Funkgerätes und erstattete den anderen ballonfahrenden Kollegen Bericht über Windrichtungen in verschiedenen Höhen. Wir jedenfalls überquerten Langweid, fuhren in sanften Kurven über Albertshofen, was für mich später noch Folgen hatte, nach Wertingen. Von dort über die Donau nach Höchstädt, direkt über Schloss und Kirchturm, immer weiter Richtung Nordwest. Unterwegs verloren wir über einer bewaldeten Kuppe an Höhe und konnten uns sogar an den mit Fichtenzapfen bewachsenen Wipfeln der Bäume festhalten, bevor wir nach Verlust einiger Schaufeln Sand wieder an Höhe und Fahrt gewannen.
Unterwegs wurden wir vom Piloten noch mittels Taufe in den Adelsstand erhoben, was einen doch sehr eitlen historischen Hintergrund hat. In der Gründerzeit der Ballonfahrt trauten die priviligierten Menschen den schwebenden Vehikeln noch nicht, und so wurden meist Tiere oder Unterpriviligierte auf die große Fahrt geschickt. Eigentlich sollte es aber doch den gehobenen Gesellschaftschichten gebühren es den Vögeln gleich zu tun, und nicht dem Pöbel. So löste man das Problem mit der Ballonfahrertaufe, die den Fahrer in den Adelsstand erhob. So war sichergestellt, dass der gemeine Pöbel nie in den Genuss einer Ballonfahrt kam. Und so kam auch ich zu meinem Adelstitel. Mit einem Schuß Sekt und einer Hand voll Sand in den Haaren wurde ich zum "Graf über die durch Wildschweine verwühlten Felder bei Albertshofen" ernannt. Mein Kollege Peter wurde zum "Märzenfürst von Wertingen" getauft.
Gegen Mittag kam laut unseres Piloten etwas Thermik auf, worauf wir nach einer Fahrzeit von fast vier Stunden und einer zurückgelegten Strecke von ca. 43 Kilometern bei Demmingen zur Landung ansetzten.
Leider kam es bei der Landung zu einem schmerzlichen Zwischenfall. Da wir etwas seitlich auf einem Acker aufsetzten kam es zu einem kurzen Ruck im Fahrkorb wobei sich die Dame an Bord leider den Fußknöchel brach. Durch Sanka und Polizeieinsatz hatten wir auch nach der Landung noch jede Menge Action und es kam zu Verzögerungen bevor wir den Ballon zusammenpacken und in das inzwischen eingetroffene Begleitfahrzeug verstauen konnten. Alles in allem war es ein super Tag, den ich nicht mehr vergessen werde. Bilder der Fahrt gibt es in der Rubrik Bilder. Falls jemand Interesse hat eine solche Fahrt zu machen: Im Internet gibt es die Seite des Freiballonvereins Augsburg mit weiteren Informationen.